Feiertage säkularisieren

Veröffentlicht: 08. Apr 2023

Unsere Gesellschaft ist längst keine moralische Monokultur mehr, die sich fast vollständig zum Christentum bekennt. 1951 waren noch 89% der österreichischen Bevölkerung katholisch. Heute ist es kaum mehr als die Hälfte, während über 30% konfessionsfrei sind.

Die Zahlen werden von Balázs Bárány regelmäßig im Atheisten-Wiki aktualisiert.

Das bedeutet nicht notwendigerweise, dass diese Menschen ungläubig sind, aber genau so wenig ist der Glaube Voraussetzung, Mitglied einer anerkannten Religionsgemeinschaft zu werden oder bleiben. Es soll ja sogar im katholischen Klerus Agnostiker und Atheisten geben.

Dass der Katholismus unsere Kultur und Gesetze nachhaltig geprägt hat, ist unbestritten, aber das erhebt diesen Einfluss nicht zum Verdienst oder gar zur unauflöslichen Traditionsdividende. In diesem Sinn sollten auch die gesetzlichen Feiertage mit religiösem Charakter hinterfragt und an den kulturellen Pluralismus des 21. Jahrhunderts angepasst werden. Zehn der 13 sich jährlich wiederholenden Feiertage in Österreich haben einen christlichen Hintergrund. Da es sich um gesetzliche Feiertage handelt, die für alle gelten, könnte es ganz pragmatisch egal sein, warum der Tag (für viele, aber nicht alle) arbeitsfrei ist. Abgesehen davon wissen vermutlich die meisten Katholikinnen nicht einmal, was an Mariä Empfängnis oder Fronleichnam gefeiert wird. Wahrscheinlich tun sich viele sogar schwer damit, Ostern oder Pfingsten zu erklären. Doch die Verortung der Feiertage im religiösen Verdienstkreis hat auch symbolische Wirkung. So hört man als Ungläubiger gelegentlich Aussagen wie: “Als Atheist darfst du ja gar nicht Weihnachten feiern.”
Angesichts der rückläufigen Zahlen der Mitglieder christlicher Kirchen Ausdruck einer paradoxen Schadenfreude, die statt Dankbarkeit eher dazu geeignet ist, Mitleid zu provozieren.

Wie können wir der weltanschaulichen Vielfalt gerecht werden?

Wie in anderen Lebensbereichen auch, begegnet man der Herausforderung der heutigen Diversität am besten mit einem gesunden Ausmaß an positiver Indifferenz. Anstatt einzelne Gruppen oder Individuen besonders herauszuheben, werden die Privilegien einfach abgeräumt. Das heißt die Lösung liegt nicht darin, neben Allerheiligen auch Hannukah, Ramadan, Ramendan, 420 usw. als Feiertage zu etablieren, sondern die Feiertage zu säkularisieren und zu personalisieren. Weltliche Begründungen lassen sich sehr einfach finden oder auch einfach willkürlich festlegen, um Tage zu bestimmen, die als neue Feiertage gelten. Und wer aus weltanschaulichen Gründen an ganz speziellen Tagen unbedingt frei haben muss, könnte ein Kontingent an unbedingten Urlaubstagen bekommen, die im Dienstvertrag einfach festgelegt werden. Wenn knapp 60% Christen dann den Karfreitag und Ostermontag frei haben wollen, wird Ostern auch ohne staatlichen Nachdruck ein kollektives Fest bleiben.

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