Der Standard meldet das Ergebnis einer aktuellen Umfrage, die wieder zeigt, dass langjährige konfessionsfreie Forderungen eine große Mehrheit in der Bevölkerung haben.
Konkret geht es um die Einstellung zur Aussage “Alle Kinder sollen parallel zum Religionsunterricht einen gemeinsamen Ethikunterricht besuchen”. 51 %, allein eine absolute Mehrheit, halten dies für “sehr sinnvoll”, weitere 27 % für “sinnvoll”. Das ist zusammen eine sehr bequeme Mehrheit von 78 % der Befragten, mit nur 9 % “weniger” und 6 % “gar nicht sinnvoll”. Die restlichen 7 % sind “weiß nicht, keine Angabe”.
Ein gemeinsamer verpflichtender Ethikunterricht für alle (wie auch immer man diesen nennen will), das ist die sechste Forderung der Konfessionsfreien in Österreich.
Selbst für die Abschaffung des konfessionellen Religionsunterrichts findet sich noch eine relative Mehrheit (48 % sehr sinnvoll oder sinnvoll, 44 % weniger oder gar nicht sinnvoll, 8 % keine Angabe). Dies ist die Maximalforderung: Der Staat sollte nicht mehr die konfessionelle religiöse “Bildung” organisieren und finanzieren müssen; dies ist in einem säkularen Staat die Aufgabe der Religionsgesellschaften. Beispiele wie Frankreich, die USA und noch viele andere Länder zeigen, dass das möglich ist. (In Österreich weigern sich die Zeugen Jehovas, Religionsunterricht in der Schule anzubieten. Auch das ist also möglich.)
Der Religionsunterricht wird in letzter Zeit wieder diskutiert, weil aus der ÖVP Zweifel speziell am islamischen Religionsunterricht geäußert wurden. Es gilt jedoch: Was für einen gilt, muss für alle gelten. Wir begrüßen eine stärkere Kontrolle der Republik über den konfessionellen Religionsunterricht und fordern die Abschaffung des Privilegs der Religionsgesellschaften, in Verträge zwischen Lehrer:in und Schule einzugreifen. Aktuell vergibt oder verweigert die anerkannte Religionsgesellschaft die Erlaubnis, dass eine Lehrperson Religion unterrichten darf. Diese Erlaubnis kann auch nachträglich entzogen werden. Dies führt dazu, dass Menschen, die an einer staatlichen Universität als Religions-Lehrkraft ausgebildet und geprüft wurden, in ihrem gelernten Beruf nicht mehr arbeiten dürfen. Das ist keine theoretische Möglichkeit: Es besteht der starke Verdacht, dass eine Lehrerin die Lehrerlaubnis der islamischen Glaubensgemeinschaft nicht bekommt, weil sie kein Kopftuch trägt. Eine andere Lehrerin hat gerichtlich bestätigt bekommen, dass sie deswegen gekündigt wurde. Katholische Lehrer:innen, die nach einer Scheidung neu heiraten wollen, einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben oder eine andere Regel der römisch-katholischen Kirche verletzen, sind von ähnlichen Konsequenzen bedroht: Eine dritte Partei kann ihre berufliche Laufbahn zerstören.
Wenn zur Behebung dieses offensichtlichen Misstandes eine Neuverhandlung einzelner Punkte in internationalen Verträgen notwendig ist, dann ist die Zeit dafür gekommen.
Andere Mehrheitspositionen
Es ist hilfreich, sich in Erinnerung zu rufen, dass andere konfessionsfreie Forderungen ebenfalls Mehrheiten hinter sich versammeln können. So stimmen z. B. 42 % der Befragten vollständig und weitere 28 % teilweise der Aussage, dass “Privilegien der Religionsgemeinschaften” abgebaut werden sollen, zu. Nur 16 % lehnen das ab.
Die Auswertung zeigt auch, dass Menschen ohne Bekenntnis sich in vielen gesellschaftlichen Fragen homogener äußern als andere. Während die Meinung der Mitglieder manchmal mehrheitlich gegen die offizielle Position der Religionsgemeinschaft gerichtet ist (z. B. akzeptieren 80 % der katholischen Menschen den Schwangerschaftsabbruch), vertreten die Konfessionsfreien nicht nur die Mehrheits-Meinung der Bevölkerung, sondern tun das in einem höheren Prozentsatz als andere.